Broschüre zum 525. Jubiläum

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

 

Herzlich willkommen‘
Vor 525 Jahren Wurde unser Verein ins Leben gerufen.

Wir können stolz sein, dieses bürgerliche Brauchtum in unserer Zeit herübergerettet zu haben. Auch wenn wir „Gott sei Dank” nicht mehr dazu gezwungen sind, unsere Stadt vor Eindringlingen zu beschützen, so halten wir doch gerne noch die Tradition der Königswahl und des Schützenfestes hoch. Unser Schützenfest zu Pfingsten stellt dann auch den Höhepunkt eines jeden Jahres dar. Wenn ich auf die letzten Jahre zurückblicke, so kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass unser jährliches Schützenfest nicht nur für unsere Vereinsmitglieder, sondern auch für alle Einwohner der Stadt ein Fest der Freude ist.

Ich möchte an dieser Stelle auch all denjenigen großen Dank aussprechen, die
zwar nicht Mitglieder unseres Vereines sind, die aber doch durch ihre große
Einsatzbereitschaft die Aktivitäten unseres Vereines fördern.
In den Anfangsjahren um 1990 war es nicht immer ganz einfach, Außenstehende
davon zu überzeugen, dass es nicht primäres Ziel eines Schützenvereines ist, den Umgang mit Waffen zu fördern. Davon hatten die Menschen angesichts
zurückliegender, schrecklicher Kriegsjahre auch „die Nase voll“.

Mit den Jahren erkannten aber auch diejenigen, die unserer Gemeinschaft
zunächst ablehnend gegenüberstanden, dass es vielmehr um das Miteinander
und ein geselliges Vereinsleben geht und dass das Trainieren von Fähigkeiten wie Konzentration und Teamgeist durchaus lohnende Ziele sind. Ich wünsche Ihnen allen weiterhin, auch außerhalb unseres Vereines, viel Erfolg im Leben und vor allen Dingen Gesundheit.

Lutz Döhler, ehem. Brudermeister der St. Sebastiani Schützenbruderschaft

Grußworte

Ministerpräsident Tillich

Liebe Schützen,

die St. Sebastiani Schützenbruderschaft Wittichenau 1491 e.V. feiert 2016 ihr 525 jähriges Gründungsjubiläum.

Hierzu möchte ich ganz herzlich gratulieren.

Die Schützenbruderschaft kann mit Stolz und Freude auf eine lange Tradition zurück blicken. Überwunden wurden die tiefen Einschnitte des Dritten Reiches und der DDR.

Dies wäre ohne das Engagement und die Tatkraft aller Mitglieder und Unterstützer nicht möglich gewesen.

Nur durch den Einsatzwillen der Mitglieder war 1990 die Neugründung möglich.
Hierdurch wurde die jahrhundertealte Tradition der Schützenbruderschaft in Wittichenau wieder zum aktiven Leben erweckt. Durch großes ehrenamtliches Engagement und Erbringung von Eigenleistungen ist es dann auch noch gelungen, das alte Schützenhaus zurückzukaufen, zu sanieren und als traditionsreiche Heimstätte wieder nutzbar zu machen. Seitdem hat die Schützenbruderschaft wieder ihren festen Platz im Gemeindeleben der Stadt Wittichenau.

Die Schützenbruderschaft pflegt Tradition und Brauchtum und handelt heute getreu ihrem Leitmotto „Für Glaube, Sitte und Heimat“. Die St. Sebastiani Schützenbruderschaft Wittichenau 1491 e. V. ist aber nicht nur ein „einfacher“ Schützenverein.

Sie wurde 1491 als kirchliche Bruderschaft mit Gutheißung des damaligen Bischofs
Johann von Meißen gegründet und unter den Schutz des heiligen Märtyrers Sebastian
gestellt. Diese enge Verbindung zur katholischen Kirche war immer gegeben. Dies
kommt insbesondere durch die Verbundenheit mit der Katholischen Pfarrgemeinde in
Wittichenau zum Ausdruck, was sicher auch in Zukunft so sein wird.

Es ist ein schönes Zeichen der Anerkennung für die Schützenbruderschaft Wittichenau
im Diözesanverband Paderborn, der dem Bund der Historischen Deutschen Schüt-
zenbruderschaften Köln e. V. angehört, dass der Verbandstag des Bezirksverbandes
Paderborn-Land e. V. in Wittichenau stattfindet.

Hierzu und zu allen anderen Veranstaltungen im Jahr 2016 wünsche ich c_1|ler1 Betei-
ligten und Gästen einen guten sowie erfolgreichen Verlauf. Die St. Sebastiani Scbut-
zenbruderschaft Wittichenau 1491 e. V. möchte ich ermuntern, auch in Zukunft ihr
Wirken so engagiert fortzusetzen und wünsche hierfür alles Gute.

Ihr Stanislaw Tillich, Ministerpräsident des Freistaates Sachsen

Bürgermeister Posch

 

Liebe Schützen der St. Sebastiani Schützenbruderschaft
Wittichenau 1491 e. V,

mit Freude und Stolz können die Mitglieder, Unterstützer und die Stadt Wittichenau auf die lange Tradition dieses Vereins zurückblicken.

Auch wenn es in den vielen Jahrzehnten die verschiedensten Herausforderungen und
Veränderungen zu bewältigen galt, so waren doch immer die traditionellen Werte „Für
Glaube, Sitte und Heimat“ das Fundament der Schützenbruderschaft.

Und dies sollte gerade auch in der heutigen Zeit Bestand haben.

Traditionen werden in unserer Stadt gelebt und dadurch an die kommenden Gene-
rationen weitergegeben. Dies erfordert viel Zeit und Mühe im Ehrenamt, macht aber
Wittichenau so besonders.

Und so wünsche ich mir, dass sich immer wieder junge Männer finden, welchen die
besondere Historie und Tradition unseres Schützenvereins auch für die Stadt Wittiche-
nau bewusst ist und die bereit sind, die Gemeinschaft der St. Sebastiani Schützen-
bruderschaft auch in den kommenden Jahren als wichtigen Bestandteil im kulturellen
Leben in unserer Heimatstadt zu bewahren.

Ich gratuliere der St. Sebastiani Schützenbruderschaft zum 525-jährigen Bestehen und
wünsche für die Zukunft alles Gute.

Für die Durchführung des Bezirksverbandstages im November 2016 wünsche ich
gutes Gelingen.

Ihr Bürgermeister

Markus Posch, Wittichenau

Erzbischof Dr. Heiner Koch

Im persönlichen wie im gesellschaftlichen Leben bietet jedes Jubiläum die Möglichkeit einmal Atem zu holen, einmal die Wanderung des Lebensweges anzuhalten: Zurückzublicken, wie der bisherige Weg verlaufen ist, und nach vorne zu schauen, welche Perspektive wir für den weiteren Weg in unsere Zukunft ausmachen können.

Dabei kommt der Erinnerung eine grundlegende, lebenswichtige Bedeutung zu. Erinnerung ist mehr als das Anlegen eines Archivs oder die Sammlung von vergilbten Dokumenten. Wer sich erinnert, verinnerlicht seine bisherige Lebensgeschichte, der holt seine Vergangenheit vor sein inneres Auge und baut damit eine innere Beziehung auf zu seiner Geschichte: zum Glück und Leid seiner Tage, zu seinen guten Erfahrungen, zu seiner Schuld und zu den Menschen, die ihn prägten.

Wenn eine Schützenbruderschaft sich so erinnert, dann wird ihr deutlich, dass sie eine
Geschichte hat und dass nicht nur Geschichten mit ihr gemacht worden sind. Es kom-
men Erinnerungen an Höhen und Tiefen, an die guten und schuldhaften Seiten ihrer
Geschichte. Aus dieser Erinnerung heraus wird ihr auch die Kraft zuwachsen, bewusst
die Herausforderungen der Zukunft anzugehen.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich immer wieder solche Zeiten des besinnlichen Sich-Erinnerns einräumen und dass Sie sich an die Quellen Ihrer Geschichte erinnern: an die
Menschen, die sich unter den Idealen „Glaube, Sitte und Heimat“ gesammelt haben und für die diese Ideale nicht nur leere Worthülsen waren.
Ich wünsche Ihnen bei dieser Erinnerung aber auch die Wachsamkeit, in Ihrer Geschichte Gottes Spuren zu erkennen: wie Er Sie gestützt, begleitet und herausgefordert hat. Mögen Sie aus dieser Gotteserinnerung den Mut und die Kraft gewinnen, den Weg, der vor Ihnen liegt, mit Gottvertrauen und Verantwortungsbewustsein aus der Erinnerung an die Vergangenheit heraus zu gestalten. So werden Sie dle Herausforderungen, die sich auch in Zukunft der St. Sebastiani Schützenbruderschaft Wittichenau 1491 e.V. stellen werden, mit wachem Geist angehen können.
Ich wünsche Ihnen ein frohes Fest und Gottes Segen für Ihren weiter Weg als Schützenbruderschaft!

Ihr
Erzbischof Dr. Heiner Koch, Berlin

 

Bischof Wolfgang Ipolt

 

Liebe Schützenbruderschaft St. Sebastiani, liebe Brüder und Schwestern,

zum großen Jubiläum der Schützenbruderschaft St. Sebastiani Wittichenau, bei dem Sie auf stolze 525 Jahre Tradition zurückschauen dürfen, möchte ich Ihnen auf das allerherzlichste gratulieren und Ihnen meine Segenswünsche übermitteln.

Ihr Schutzpatron, der Heilige Sebastian, bezeugte mit Leib und Seele seinen Glauben
und erlitt für seinen christlichen Glauben das Martyrium. Die langjährige Geschichte
Ihrer Bruderschaft zeigt, dass auch Sie mit Leib und Seele Ihren christlichen Glauben
in schwierigen Zeiten und unter unvorstellbaren Verhältnissen bekundet haben. Mit
großem Einsatz, der nicht selten das eigene Leben gefährdete, wurden die Schützen-
brüder in den vergangenen Jahrhunderten zu einem guten Beispiel der gegenseitigen
Unterstützung und zu einem Vorbild der Nächstenliebe.

Das Schützenwesen, das stets im heimatlichen Geschehen und mit dem kirchlichen
Leben verbunden ist, muss gerade in diesen bewegten Zeiten, die unser Land auf das
vielfältigste herausfordern, inneren Halt und soziale Hilfestellung für alle Bevölke-
rungsgruppen geben. Dabei wird auch die Schützenbruderschaft nicht ohne Ehrenamt
und persönliches Engagement auskommen.

So wünsche ich der Schützenbruderschaft St. Sebastiani Wittichenau, dass sie wei-
terhin ein Garant des Ehrenamtes ist und ein Symbol für eine verbindende Gemein-
schaftskultur bleibt, auf die man sich zu jeder Zeit verlassen kann und die weiterhin
die christlichen Werte in der Welt bekundet.

Für Ihren Einsatz.und Ihr Zeugnis, das sie’sehen(üben 525 Jahre geben, gelten mein
aufrichtiger Dank und mein Segen für die weiteren Jahre. Ad multos annos!

Gott segne Wittichenau, Gott segne Ihre Schützenbruderschaft,

Bischof Wolfgang Ipolt, Görlitz

Dr. Wolfgang Křesák

525 Jahre St. Sebastiani Schützenbruderschaft in Wittichenau! Was für ein großartiges Jubiläum!

Die ersten Schützenbruderschaften entstanden um 1300 in Flandern. Wenig später schon gibt es sie auch in Deutschland. In ihnen trafen sich Bürger zu Schießübungen, um ihr Haus und Hof, ihr Dorf und ihre Stadt bei Gefahren zu schützen. Schnell weitete sich der Sinn ihres Zusammenseins aus. Sie standen Menschen in ihren Nöten bei, etwa bei Seuchengefahr. Vor allem aber wuchsen sie immer mehr in das kirchliche Leben hinein.


1491 gründete sich auch in unserer Stadt eine Schützenbruderschaft und stellte sich unter den Schutz des Hl. Sebastian. Die Gründungsurkunde, unterschrieben von Bischof Johann VI. von Meißen, ist uns noch erhalten, wenn auch in schlechtem Zustand, ebenso verschiedene Aufzeichnungen aus den vergangenen Jahrhunderten. Dazu gehört zum Beispiel die Satzung aus dem Jahre 1572, die von mehreren Äbtissinen des Klosters St. Marienstern immer wieder bestätigt wurde. Eine Schützenbruderschaft braucht natürlich ihr Schützenhaus, ihre Waffen usw., vor allem aber mutige Menschen, die es nach dem Vorbild und Beispiel des Heiligen Sebastian wagen, Gott auch im Alltag zur Sprache zu bringen.
Froh und dankbar dürfen wir sein, dass es die Schützenbruderschaft in unserer Stadt gibt, dass sich über Jahrhunderte hinweg, in wechselvoller Geschichte mit Höhen und Tiefen, immer wieder Männer fanden, für Glaube, Sitte und Heimat einzutreten.
Danken möchte ich allen, die sich mit ihren Ideen und Anregungen für die vorliegende Broschüre, die über Geschichte, Sorgen, Nöte und Hoffnungen, wie über das Leben der St. Sebastiani Schützenbruderschaft Auskunft gibt, eingesetzt haben. Danken möchte ich an dieser Stelle auch allen Schützen für ihre Gastfreundschaft, sodass viele Veranstaltungen, ob Kinder- oder Jugendfasching, Theateraufführungen, private Familienfeiern oder Jubiläen im Schützenhaus stattfinden können.
So grüße ich die St. Sebastiani Schützenbruderschaft und alle Gäste aus nah und fern, die dieses Jubiläum mit uns feiern, und erbitte der Bruderschaft auf die Fürsprache des
Heiligen Sebastian, ihrem Wahlspruch und den damit verbundenen Idealen treu zu bleiben und stets für Glaube, Sitte und Heimat einzutreten, damit in Gegenwart und Zukupf gelte: Wie es war im Anfang — 1491 — so möge es heute und auch in Zukunft sein.

Wolfgang Křesák
Präses der St. Sebastiani Schützenbruderschaft, Pfarrer von Wittichenau

 

Aus der Geschichte

Historische Dokumente

Die St. Sebastian-Schützenbruderschaft 1935

In recht enger Verbindung mit der Geschichte unserer Pfarrkirche steht die der hiesigen Schützengilde, welche als kirchliche Bruderschaft 1491 mit Gutheißung des damaligen Bischofs Johann von Meißen gegründet, und unter den Schutz des heiligen Märtyrers
Sebastian gestellt worden ist.

Ursprünglich bewaffneten sich die Schützenbrüder mit Armbrüsten und Pfeilen, womit sie dann an ihren Schützenfesten nach einem hochaufgerichteten „Adler“ um Erlangung der Königs- und Marschallswürde schossen. Der Adler war nämlich als König der Vögel das Symbol der Macht und der despotischen Herrschergewalt der heidnischen, römischen Kaiser, und es lag diesem Schießen nach dem Adler jener Gedanke zu Grunde, daß das römische Heidentum durch die Kraft der Kirche überwunden sei. Es ändert sich die Zeit und mit ihr auch wandeln sich alte Sitten und Gebräuche, mit-
hin wundern wir uns nicht, daß die Armbrust 1678 erstmalig der Feuerbüchse weichen mußte, mit welcher nunmehr nach einer „Scheibe“ geschossen und in dieser veränderten Weise die vorhin benannten Würden erkämpft wurden.

Der erste Ablaßbrief der Bruderschaft auf Pergament trägt die eigenhändig geschriebene Ausführungsanweisung des Bischofs Johannes von Meißen aus dem Jahre 1491. Dies älteste \Olhandene Dokument befindet sich im Archiv der Schützengilde. Der letzte Ablaßbrief wurde vom Papst Innocenz XII unterm 14. Juni 1700 ausgefertigt und durch den Stadtkaplan Peter Dubenka aus Rom nach Wittichenau gebracht. Die Statuten der Sebastian-Schützenbruderschaft sind auf einer großen Pergament-Urkunde, an welcher zwei in Blechkapseln befindliche Wachssiegel an Schnüren angeheftet sind, von der Äbtissin Christine I. von Baudissin zu Marienstern und von dem Magistrat zu Wittichenau unterm 27. Januar (Sonntag nach Pauli Bekehrung) 1572 bestätigt. Außerdem haben die Bruderschaftsstatuten bestätigt
die Äbtissinnen Anna Margareta Dorn am 15. Januar 1642, Katharina Benada am 9.Juni 1682, Cordula Sommer am 29. November 1710, Josefa Elger am 26. März 1754 und die Königl. Regierung zu Liegnitz am 7. April 1841. Auch diese wertvolle alte Urkunde wird von der Schützengilde wohl verwahrt. Die ursprünglichen Schützenstatuten
vom Jahre 1572 wurden 1750 durch ftliches Über abgeändert. Durch das Vorangehende ist zur Genüge der kirchliche Charakter der Schützengilde urkundlich bewiesen.

Bis nahe an das Jahr 1600 heran wurde der feierliche Gottes dienst am Patronatsfeste (20. Januar) und das gesungene „Requiem“ für die verstorbenen S üder am darauf Tage in einer eigenen Kapelle abgehalten, welche an der heutigen Töpferstraße (damals „Lange Gasse“) neben der jetzigen Kaplanei auf dem sogenannten Seyffert’schen Grundstück errichtet war. Diese Schützenkapelle brannte am Ende des 16. Jahrhunderts nieder, und es finden scit dieser Zeit die vorhin erwähnten Gottesdienste in der Pfarrkirche statt. In der Frühmesse des Sebastianfestes geht die Bruderschaft in feierlicher Weise zur Generalkommunion. Am Vormittag des Patroziniums beteiligt sich die Gilde in ihrer kleidsamen Uniform am feierlichen Hochamt, verbunden mit gemeinsammen Opfergang der Schützenbrüder. Ihre Verbundenheit mit dem kirchlichen Erleben der P i zeigt die Gilde in hervorragend sinnfälliger Weis nd der Oktave des hochheiligen Fronleichnamsfestes.
Bei den prunkvollen Sakramentsprozessionen wird das hochwürdigste Gut von spalierbildenden, uniformierten Schützen mit ihrer Offizieren begleitet, und mit präsentiertem Gewehr wird bei der Erteilung des sakramentalen Segens eine recht eindrucksvolle Ehrenbezeugung dem eucharistischen Heiland erwiesen. Der Vorstand der Schützenbruderschaft bildet mit dem jeweiligen Schützenkönig, brennende Kerzen tragend, hinter dem Baldachin das Ehrengeleit. In ähnlicher Weise beteiligen sich unsere Schützen auch bei anderen kirchlichen Festlichkeiten. In dauernder Erinnerung bleibt uns der Besuch Sr. Königl. Hoheit des ehemal. Kronprinzen von Sachsen, P. Georg S. J. am 6, Juni 1931 und dessen Predigt über das Thema: „Herz Jesu: König und Mittelpunkt aller Herzen“.

Aus: Broschüre „Katholische Pfarrkirche in Wittichenau", Herrausgeber Katholischer Kirchenvorstand Wittichenau, 1935

Neubeginn 1990/1991

Nach der Auflösung kirchentreuer Schützenvereine durch die Nationalsozialisten 1939 ruhte die Bruderschaft bis 1945. Danach - weiterhin verboten - erfolgte die Enteignung durch die russische Besatzungsmacht. Das Schützenhaus wurde Staatseigentum und später zu einem Lichtspielhaus (Kino) umgebaut.

Friseurmeister Heinrich Möller 1938, letzter Schützenkönig vor dem Verbot
Friseurmeister Heinrich Möller 1938, letzter Schützenkönig vor dem Verbot

1989
Friedliche Revolution in der DDR

1990
Nach intensiven Diskussionen über die Wiederbelebung der Schützentradition in Wittichenau, an denen auch Prälat Heinz Morawietz (Pfarrer in Wittichenau von 1972 - 1995) beteiligt war, unterzeichneten am 9. März 1990 in der Gaststätte „Zum alten Bahnhof“ Alexander Retschke, Paul Modsching, Lothar Mijan, Thomas Barth, Johannes Czöpitz, Reiner Kammer, Reinhard Beckel, Lutz Döhler, Roland Brückner, Manfred Beckel, Reinhard Tonder und Christian Schenker die Urkunde zur „Gründung der Schützengilde Wittichenau O/L".
Das erste Schützenfest fand dann auf dem Gelände des alten Bahnhofs statt, bei dem Frank Czambor Schützenkönig wurde.

1991
Am 20. Januar 1991 wurde das 500. Jubiläum der St. Sebastiani Schützenbruderschaft Wittichenau, zusammen mit Schützen aus den Bad Honnefer Stadtteilen Aegidienberg und Rhöndorf, gefeiert. Den Festvortrag hielt Dr. Siegfried Seifert aus Bautzen. Anwesend war auch Herr Georg Kockert, der letzte noch lebende Schützenbruder aus der Zeit vor 1939.

Gründungsurkunde aus dem Jahre 1990
20. Januar 1991

1. Reihe (sitzend v. li.):
Roland Brückner, Thomas Rang, Manfred Scholze, Lutz Döhler, Reinhard Beckel, Frank Czambor (Schützenkönig 1990), Georg Kockert, Alexander Retschke, Paul Modsching, Johannis Czöpitz, Thomas Nicolaides, Günter Modsching
2. Reihe (v. li.):
Prälat Heinz Morawietz, Peter Effenroth, Franz Joseph Buchholz, Manfred Nitsch, Lothar Mijan, Reiner Kammer, Thomas Barth, Klaus Waury, Joachim Maywald, Joachim Zimmer, Volkmar Ermer, Reinhard Tonder, Gerhard Polk, Ferdinand von Strombeck, Peter Fröhlich, Christian Schenker
3. Reihe (v. li.):
Axel Frölig, Michael Elsner, Peter Scholze, Manfred Beckel, Roland Retschke, Torsten Beckel, Peter Barth, Ludwig Pogoda, Hubertus Retschke, Peter Wersch, Peter Görlich, Alfons Bulang, unbekannt, Franz-Josef Weber

1993-1999

1993
Im Juni 1993 besuchten die Schützenbrüder unseres wiedergegründeten Vereins zum ersten Mal das Freischießen der Schützengesellschaft Marktzeuln 1820 e. V. (Oberfranken, Landkreis Lichtenfels) und fahren seitdem regelmäßig zu diesem Ereignis.

1998

In diesem Jahr gelangen uns der Rückkauf des ehemaligen Schützenhauses (Kino) und der Sanierungsbeginn unter hohen Eigenleistungen der Mitglieder des Schützenvereins.
Zum 31. Dezember verließ unser Verein den Sächsischen Schützenbund, in dem er seit dem 20. Januar 1992 Mitglied war, um einem kirchennäheren Dachverband beizutreten.

1999
Als unsere Bruderschaft beschloss, einen neuen Dachverband zu suchen, hatte sie bereits den Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften ins Auge gefasst und beantragte im Januar eine Mitgliedschaft in diesem Verein.

Am 16. Januar 1999 besuchten uns Vertreter des damaligen Bundesvorstandes,
um sich ein Bild vor Ort zu machen und uns besser kennenzulernen.
Nach einem Besuch der Pfarrkirche, des Schützenhauses und einem anschließenden Kaffeetrinken bei Familie Roland Homola endete das Treffen in den frühen Morgenstunden des 17. Januars im Restaurant der „Kobermühle“ mit der Zusage zur Aufnahme in den Bund.

(v. l.): Roland Brückner, Peter Barth, Thomas Barth, Alexander Retschke (Brudermeister Wittichenau), Richard Kirchhoff (Bezirksbundesmeister Paderborn-Land), Ralf Heinrichs (Bundesgeschäftsführer vom Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften), Roland Homola (förderndes Mitglied), Heiner Knocke (stellv. Bezirksbundesmeister Paderborn-Land),  Johannes  Czöpitz,  Hans  Besche  (Diözesanbundesmeister  Paderborn), Reinhard Tonder, Klaus Waury, Günter Modsching

Mit dem Beschluss des Präsidiums wurden wir am 30. Januar offizielles Mitglied des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften Köln e. V.

Wir wurdem dem Bezirksverband Paderborn-Land e. V. der Diozöse Paderborn zugeordnet. dem auch die beiden anderen Schützenbruderschaften Ostdeuschlands angehören. Dies sind seit 1990 die St. Bonifatius Schützenbruderschaft Niederorschel (Landkreis Eichsfeld) und seit 1993 die St. Sebastiani Schützenbruderschaft Bickenriede (Unstrut-Hainich-Kreis) aus Türingen.
Zum Pfingstschießen am 23. Mai 1999 kam der Hochmeister Hubertus Sayn zu Wittgenstein persönlich nach Wittichenau und überreichte uns die Aufnahmeurkunde.

Der heutige Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften wurde am 27. Februar 1928 von Dr. Peter Louis unter dem Namen "Erzbruderschaft vom Heiligen Sebastianus” gegründet. Dem katholischen Verband sind heute etwa 1.300 Bruderschaften mit etwa 600.000 Mitgliedern angeschlossen.

2000-2009

2000

Bezirksverbandstag
Bezirksverbandstag


In September fand das jährliche Bundesschützentest diesmal in Mayen (Rheinland-
Ptalz, Landkreis Mayen-Koblenz) statt, an dem wir zum ersten Mal teilnehmen konnten. Seitdem sind wir auf den jährlichen Bundesschützenfesten und den Bezirksverbandstagen regelmäßig vertreten.

2001/2002
Besuch der Bundesfeste in der Hansestadt Emmerich am Rhein (Nordrhein-Westfalen) und in Delbrück (Nordrhein-Westfalen, Kreis Paderborn).

2003
Der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften feierte sein 75-jähriges Bestehen mit einem Festamt im Kölner Dom mit Joachim Kardinal Meisner.

Das Bundesfest fand allerdings in Xanten (Nordrhein-Westfalen, Kreis Wesel) statt.

2004/2005

Romwallfahrt 2008 


Wir besuchten die Bundesfeste in Korschenbroich (Nordrhein-Westfalen, Rhein-Kreis Neuss) und in Leverkusen (Regierungsbezirk Köln). Letzteres wurde - als besonderer Höhepunkt für uns - in der BayArena, dem Stadion des Fußball-Bundesligisten Bayer 04, gefeiert.

2006/2007/2008
Bundesfeste in Kaarst (Nordrhein-Westfalen, Rhein-Kreis Neuss), Ahrweiler (Rheinland-Pfalz, Landkreis Ahrweiler) und Beverungen (Nordrhein-Westfalen, Kreis Höxter).

2009

Sanierungsarbeiten am Schützenhaus

Mithilfe von Fördergeldern und durch viel Eigeninitiative sanierten wir das Dach und die Außenfassade des Schützenhauses.

Zum Bundesfest fuhren wir nach Hövelhof (Nordrhein-Westfalen, Kreis Paderborn). Leider fiel der große Festumzug wegen des schlechten Wetters fast vollständig aus.

2010-2016

2010
Infolge eines tragischen Todesfalles im Verein fiel das Vereinsschießen um den König aus. Zum Bundesfest reisten wir nach Vechta (Niedersachsen, Kreisstadt) und zum Bezirksverbandstag in Bickenriede (Thüringen, Unstrut-Hainich-Kreis).

Die Schützenbruderschaft gratuliert Bischof Wolfgang Ipolt zu seiner Weihe in Görlitz.

2011
Unsere Schützenbruderschaft gratulierte persönlich Bischof Wolfgang Ipolt zu seiner Bischofsweihe am 28. August 2011 in Görlitz.

Der Bezirksverbandstag fand im Oktober 2011 in Ostenland (Nordrhein-Westfalen, Kreis Paderborn) statt.
Als Vertreter unseres Vereins fuhren die Schützenbrüder Roland Retschke und Michael Graf zur dortigen Bruderratssitzung und stellten den Antrag zur Durchführung des Bezirksverbandstages 2016 in Wittichenau. Als Anlass diente das bevorstehende 525-Jährige Jubiläum unserer Bruderschaft. Nach einer kurzen Vorstellung unserer Stadt wurde in einer großen Diskussion darüber heiß debattiert, und die darauf folgende Abstimmung (von ca. 130 Schützen) ergab ein klares Ja für Wittichenau.

Das Bundesfest wurde in Harsewinkel (Nordrhein-Westfalen, Kreis Gütersloh) gefeiert.

2012
In diesem Jahr nahmen wir nicht am Bundesfest teil, weil Brudermeister Roland Brückner zeitgleich seine Silberhochzeit feierte. Im November fuhren wir aber zum Bezirksverbandstag nach Dahl (Stadt Paderborn).

2013
Am 13. März 2013 wurde der Ehrenpräses unseres Verbandes, Dr. Heiner Koch, in der Dresdner Kathedrale als 49. Bischof des Bistums in sein Amt eingeführt. Wir gratulieren ihm dazu natürlich persönlich.

Am  15. September besuchten wir das Bundesfest in Geseke (Nordrhein-Westfalen, Kreis Soest), bei dem wir auch von Reinhard Kardinal Marx begrüßt wurden.

Der Verbandstag fand in Schwaney (Nordrhein-Westfalen, Kreis Paderborn) statt.

2014
Diesmal war das Bundesfest in Karkrade (Niederlande, Süd-Limburg nahe Herzogenrath)

Zum Verbandstag fuhren wir nach Altenbeke (Nordrhein-Westfalen, Kreis Paderborn).

2015
In diesem Jahr organisierten wir zum ersten Mal ein Adlerschießen für die Bürger unserer Gemeinde, bei dem Philipp Schwabe der erste Bürgerkönig wurde.

Das Bundesfest war in Büttgen (Nordrhein-Westfalen, Stadt Kaarst).

Der Bezirksverbandstag fand in Bordborchen (Nordrhein-Westfalen, Kreis Paderborn) statt. Die dortigen St. Sebastian Schützenbruderschaft beging in diesem Jahr ihr 175-jähriges Jubiläum.

Schützenbrüder mit Bischof Heiner Koch vor der Hofkirche in Dresden

2016 - ein Ausblick
Nach der 2011 erfolgten Zusage zur Durchführung des Bezirksverbandstages Paderborn-Land in Wittichenau wird dieser nun am 19. November 2016 in unserer Stadt stattfinden.

Für das Hochamt am Sonnabend haben unser Bischof Wolfgang Ipolt und Dr. Heiner Koch - Erzbischof von Berlin und Ehrenpräses des Bundes der Historischen Schützen - bereits zugesagt.

Wir erwarten aktuell ca. 400 Schützenbrüder aus den Bruderschaften des Bezirksverbandes. Sie werden am Freitag an- und am Sonntag abreisen. Dies wird in unserer Stadt ein Höhepunkt des Jahres 2016 werden.

Die großen Anstrengungen der Schützenbrüder in den Jahren nach der Neugründung brachten auch Spannungen und Zerwürfnisse innerhalb der Bruderschaft mit sich und führten zu zahlreichen Austritten, die den Verein stark geschwächt haben. Ehemalige Mitglieder sahen sich sogar gezwungen, einen eigenen Schützenverein zu gründen. Wir, die verbliebenen Mitglieder, arbeiten leidenschaftlich an einem Fortbestand der .St. Sebastiani Schützenbruderschaft Wittichenau und freuen uns über die „wachsende Unterstützung durch die Bevölkerung.

Verbandstruktur