Chronik
Die St. Sebastian-Schützenbruderschaft
In recht enger Verbindung mit der Geschichte unserer Pfarrkirche steht die der hiesigen Schützengilde, welche als kirchliche Bruderschaft 1491 mit Gutheißung des damaligen Bischofs Johann von Meißen gegründet, und unter den Schutz des heiligen Märtyrers
Sebastian gestellt worden ist.
Ursprünglich bewaffneten sich die Schützenbrüder mit Armbrüsten und Pfeilen, womit sie dann an ihren Schützenfesten nach einem hochaufgerichteten „Adler“ um Erlangung der Königs- und Marschallswürde schossen. Der Adler war nämlich als König der Vögel das Symbol der Macht und der despotischen Herrschergewalt der heidnischen, römischen Kaiser, und es lag diesem Schießen nach dem Adler jener Gedanke zu Grunde, daß das römische Heidentum durch die Kraft der Kirche überwunden sei. Es ändert sich die Zeit und mit ihr auch wandeln sich alte Sitten und Gebräuche, mit-
hin wundern wir uns nicht, daß die Armbrust 1678 erstmalig der Feuerbüchse weichen mußte, mit welcher nunmehr nach einer „Scheibe“ geschossen und in dieser veränderten Weise die vorhin benannten Würden erkämpft wurden.
Der erste Ablaßbrief der Bruderschaft auf Pergament trägt die eigenhändig geschriebene Ausführungsanweisung des Bischofs Johannes von Meißen aus dem Jahre 1491. Dies älteste \Olhandene Dokument befindet sich im Archiv der Schützengilde. Der letzte Ablaßbrief wurde vom Papst Innocenz XII unterm 14. Juni 1700 ausgefertigt und durch den Stadtkaplan Peter Dubenka aus Rom nach Wittichenau gebracht. Die Statuten der Sebastian-Schützenbruderschaft sind auf einer großen Pergament-Urkunde, an welcher zwei in Blechkapseln befindliche Wachssiegel an Schnüren angeheftet sind, von der Äbtissin Christine I. von Baudissin zu Marienstern und von dem Magistrat zu Wittichenau unterm 27. Januar (Sonntag nach Pauli Bekehrung) 1572 bestätigt. Außerdem haben die Bruderschaftsstatuten bestätigt
die Äbtissinnen Anna Margareta Dorn am 15. Januar 1642, Katharina Benada am 9.Juni 1682, Cordula Sommer am 29. November 1710, Josefa Elger am 26. März 1754 und die Königl. Regierung zu Liegnitz am 7. April 1841. Auch diese wertvolle alte Urkunde wird von der Schützengilde wohl verwahrt. Die ursprünglichen Schützenstatuten
vom Jahre 1572 wurden 1750 durch ftliches Über abgeändert. Durch das Vorangehende ist zur Genüge der kirchliche Charakter der Schützengilde urkundlich bewiesen.
Bis nahe an das Jahr 1600 heran wurde der feierliche Gottes dienst am Patronatsfeste (20. Januar) und das gesungene „Requiem“ für die verstorbenen S üder am darauf Tage in einer eigenen Kapelle abgehalten, welche an der heutigen Töpferstraße (damals „Lange Gasse“) neben der jetzigen Kaplanei auf dem sogenannten Seyffert’schen Grundstück errichtet war. Diese Schützenkapelle brannte am Ende des 16. Jahrhunderts nieder, und es finden scit dieser Zeit die vorhin erwähnten Gottesdienste in der Pfarrkirche statt. In der Frühmesse des Sebastianfestes geht die Bruderschaft in feierlicher Weise zur Generalkommunion. Am Vormittag des Patroziniums beteiligt sich die Gilde in ihrer kleidsamen Uniform am feierlichen Hochamt, verbunden mit gemeinsammen Opfergang der Schützenbrüder. Ihre Verbundenheit mit dem kirchlichen Erleben der P i zeigt die Gilde in hervorragend sinnfälliger Weis nd der Oktave des hochheiligen Fronleichnamsfestes.
Bei den prunkvollen Sakramentsprozessionen wird das hochwürdigste Gut von spalierbildenden, uniformierten Schützen mit ihrer Offizieren begleitet, und mit präsentiertem Gewehr wird bei der Erteilung des sakramentalen Segens eine recht eindrucksvolle Ehrenbezeugung dem eucharistischen Heiland erwiesen. Der Vorstand der Schützenbruderschaft bildet mit dem jeweiligen Schützenkönig, brennende Kerzen tragend, hinter dem Baldachin das Ehrengeleit. In ähnlicher Weise beteiligen sich unsere Schützen auch bei anderen kirchlichen Festlichkeiten. In dauernder Erinnerung bleibt uns der Besuch Sr. Königl. Hoheit des ehemal. Kronprinzen von Sachsen, P. Georg S. J. am 6, Juni 1931 und dessen Predigt über das Thema: „Herz Jesu: König und Mittelpunkt aller Herzen“.
Aus: Broschüre "Katholische Pfarrkirche in Wittichenau", Herrausgeber Katholischer Kirchenvorstand Wittichenau, 1935

An der Spitze der in hohen Ehren stehenden Schützengilde steht heute als Oberältester Tischlermeister Emil Wenk; ihn vertritt der Ehrenoberälteste Schneidermeister Peter Hantschke; den Posten des 2. Nebenältesten (Kassierer) und 3. Nebenältesten (Schriftführer) haben Kantor Emil Wels bzw. Buchdruckereibesitzer Heinrich Kindermann inne. Die Genannten bilden den engeren Vorstand. Zum erweiterten gehören: Major Adolf Heiduschka, Buchbinder, Hauptmann Josef Handricka, Landwirt, Adjutant Heinrich Scheinert, Bäckermeister, Oberleutnant Ernst Kircher, Brauereibesitzer, Leutnant Paul Zomack, Handelsmann und Oberfeldwebel Bernhard Pabst, Tischlermeister.
Die beinahe 450jährige Tradition der Sebastianbruderschaft
verpflichtet den Vorstand und jedes einzelne Mitglied der Gilde,
jederzeit in Treue nach dem Goethewort verantwortungsbewußt zu
handeln: „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es
zu besitzen!“

Noch ein Bild aus der Zeit der Erneuerung der Pfarrkirche.
Bestimme es selber!

| Bildstickerei „St. Barbara“ aus einem alten Pluviale 1650. | Monstranz mit Kreuzreliquie | Messbuch 1519 |

| Maria mit Kind, Linde, gehöhlt. H. 125 cm. 1480. Neu bemalt | Maria mit Kind, Linde, farbig, Rücken abgeflacht. H. 145 cm. Bereits 1680 als Prozessionsfigur nach Rosenthal getragen. |
Der Krippenaltar.
Bereits im 16. Jahrhundert als zweiter feststehender Seitenaltar am Pfeiler der alten Sakristei gebaut und bischöflich geweiht, erhielt er 1681 den schönen Aufbau mit dem kunstvoll geschnitzten Bildwerk der Geburt und Erscheinung des Herrn. Darunter war ehedem folgende Inschrift verzeichnet:
Hoc altare consecratum dedicatumque olim est in memoriam compassionis gloriosissimae Virginis Mariae, inque honorem S. S. M. M. Urbani, Wenzeslai, Margaretae Virginis et S. S. Confessorum Martini Episcopi et Thomae de Aquino Doctoris Angelici. Superioris vero partis:constructio Ecclesiae nostrae piorumge sumptibus in Venerationem Nativitatis et Epiphaniae Domini, Sanetorumque Joachimi et Annae, et S.S.M. M. Fabiani et Sebastiani anno 1681 erecta est.
Dieser Altar heißt auch Sebastianaltar, weil die Sebastianibruderschaft mit ihm verbunden wurde.
Seit 1934 steht er an seiner jetzigen Stelle als altare fixum mit
marmornem Unterbau. Dessen schlichtes und sinnvolles altrotes
Ornament in Kreuzesform paßt am würdigsten zur Krippe des Haupt-
bildes. Am Altare stehen 2 neuere Tragholzprozessionsfiguren
St. Joseph (1878) und Maria (1877). An den anschließenden Pfeilern
bilden zwei kunstvolle barocke Holzskulpturen der röm. Märtyrer
Bonifatius und Sebastianus eine würdige Flankierung.

| St Bonifatius. Linde, vollrund, farbig., H. 110 cm. 1720 | St Bonifatius. Linde, vollrund, farbig. H. 120 cm. 1720. |

Darauf folgende Ereignisse
- 1939 Verbot des Schützenvereins durch die Nationalsozialisten
- nach dem zweiten Weltkrieg folgte die Enteignung durch den SMAD
- das Schützeneigentum ging an den Staat und aus dem Schützenhaus wurde ein Lichtspielhaus
- am 09.03.1990 wurde der Verein St.Sebastiani Schützenbruderschaft Wittichenau 1491 e.V. neu gegründet
- 1998 Rückkauf des ehemaligen Schützenhaus (Kino) und Sanierungsbeginn durch Eigenleistungen der Mitglieder des Schützenvereins
- 1999 Beitritt in den Bund der historischen deutschen Schützenvereine
